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Der Vagusnerv – Schlüssel zum entspannterem und erfolgreichem Lernen

Stress, Konzentrationsprobleme und Prüfungsangst sind Herausforderungen, die Schüler:innen und Nachhilfelehrer:innen nur allzu gut kennen. Doch was wäre, wenn es eine einfache, natürliche Möglichkeit gäbe, gezielt Entspannung, Konzentration und Lernfähigkeit zu verbessern – ganz ohne Technik oder Medikamente? Genau hier kommt der Vagusnerv ins Spiel – ein faszinierender, oft unterschätzter Teil unseres autonomen Nervensystems. Wer ihn kennt und richtig zu nutzen weiß, kann das Lernumfeld revolutionieren.

Was ist der Vagusnerv?


Der Vagusnerv (vom lateinischen "vagus" für "umherirrend") ist der zehnte von zwölf Hirnnerven und der längste sowie komplexeste Nerv des parasympathischen Systems. Er entspringt aus dem Hirnstamm (Medulla oblongata) und zieht von dort aus durch den Hals in Brust- und Bauchraum – vorbei an Herz, Lunge, Leber, Milz, Magen, Nieren und Darm. Man kann ihn sich wie eine Art biologisches Glasfaserkabel vorstellen, das Informationen zwischen Gehirn und Organen in beide Richtungen leitet.

Er besteht aus etwa 80% afferenten (sensorischen) und 20% efferenten (motorischen) Fasern und ist wie alle Nerven aus spezialisierten Zellen aufgebaut – sogenannten Neuronen. Diese bestehen aus Zellkörpern (Soma), langen Axonen (Leitungsfasern), Myelinscheiden (Isolierung, ähnlich einem Kabelmantel aus Fett) und Neurotransmittern wie Acetylcholin, die als chemische Botenstoffe fungieren.

Physisch ist er in etwa so dick wie ein kleiner Stift (2–3 mm Durchmesser) und misst bis zu 30 cm Länge. Er hat zahlreiche "Nachbarn" im Körper: z. B. den Nervus phrenicus (Zwerchfellnerv) oder den Nervus glossopharyngeus (Zungen-Rachen-Nerv), mit denen er eng zusammenarbeitet.

Was ihn besonders macht? Er ist einer der wenigen Nerven, die sowohl viszerale Organe (innere Organe) motorisch Steuern als auch sensorisch rückmelden – also eine echte Zwei-Wege-Kommunikation zwischen Körper und Gehirn.

Die Rolle des Vagusnervs bei Stress und Lernen


Wenn wir gestresst sind, übernimmt der sogenannte Sympathikus die Kontrolle. Das ist der Teil des Nervensystems, der für den „Kampf-oder-Flucht-Modus“ zuständig ist. Adrenalin wird ausgeschüttet, der Puls steigt, die Atmung wird flach – perfekt, um einer Gefahr zu entkommen, aber fatal für das Lernen.

Ein aktivierter Vagusnerv bringt den Körper wieder in Balance: Er bremst die Stressreaktion, senkt den Cortisolspiegel, fördert Verdauung und Ruhe und signalisiert dem Gehirn: „Du bist sicher. Du darfst dich öffnen.“ Genau das brauchen wir, um Informationen aufzunehmen, logisch zu denken und kreativ zu sein.

Für Schüler:innen bedeutet das: Wer den Vagusnerv aktiviert, kann entspannter lernen, sich besser konzentrieren und mehr behalten. Für Nachhilfelehrer:innen bietet sich die Chance, das Lernumfeld nachhaltiger und menschlicher zu gestalten.

Praktische Übungen zur Aktivierung des Vagusnervs


Zum Glück lässt sich der Vagusnerv mit einfachen Mitteln aktivieren. Diese Übungen benötigen weder Vorkenntnisse noch besondere Ausstattung – sie lassen sich leicht in den Nachhilfeunterricht integrieren:

1. Tiefe Bauchatmung – der Klassiker für schnelle Entspannung:
Lass deine Schüler:innen bewusst durch die Nase tief in den Bauch atmen, sodass sich die Bauchdecke sichtbar hebt. Dann langsam durch den Mund oder die Nase ausatmen. Schon nach 1–2 Minuten stellt sich ein Gefühl von Ruhe ein. Diese Technik kann zu Beginn einer Stunde angewandt werden, oder als Mini-Pause zwischendurch.

2. Summen, Gurgeln oder Singen – der unterschätzte Geheimtipp:
Töne wie Summen, leises Singen oder Gurgeln stimulieren durch Vibrationen den Vagusnerv im Kehlkopfbereich. Das Beste: Beim Summen wird laut Studien (z. B. Lundberg 2022) die Stickoxidproduktion in den Nasennebenhöhlen um ein Vielfaches gesteigert (~15-fach!). Stickstoffmonoxid (NO) wirkt antibakteriell, antiviral, gefäßerweiternd und unterstützt das Immunsystem – eine willkommene Nebenwirkung für Lehrer und Lernende in der Erkältungszeit.

3. Dehnübungen und Haltung – mehr Bewegung im Unterricht:
Einfache Haltungen aus dem Yoga – wie die "Kobra", der "Herabschauende Hund" oder das Strecken der Arme über den Kopf – fördern die Durchblutung, lockern verspannte Muskeln und stimulieren den Vagusnerv über die Körperhaltung. Schon 1–2 Minuten können einen deutlichen Unterschied machen.

Wie können Lehrer:innen dies konkret einsetzen?


Viele Nachhilfelehrer:innen konzentrieren sich verständlicherweise auf Inhalte, vergessen dabei aber, dass der Körperzustand maßgeblich über den Lernerfolg entscheidet. Wer innerlich verkrampft oder gestresst ist, kann den Stoff nur schwer aufnehmen.

Mit einfachen Ritualen – wie einer gemeinsamen Atemminute, einem Summkreis oder einer kurzen Dehnpause – können Lehrer:innen die Nervensysteme ihrer Schüler:innen harmonisieren. Diese Routinen wirken oft wie ein Reset und steigern die Aufnahmefähigkeit deutlich. Zudem stärken sie das Vertrauen und das Gefühl, ernst genommen zu werden.

Tipp: Lehrer:innen können auch selbst von diesen Übungen profitieren! Wer sich vor oder nach dem Unterricht kurz auf den Atem konzentriert, bleibt gelassener und präsenter – was sich positiv auf die gesamte Lernsituation überträgt.

Fazit – Der Vagusnerv als Verbündeter


Der Vagusnerv ist ein stiller Held im Lernprozess. Durch seine Rolle in der Stressregulation, Immunabwehr und der emotionalen Balance ist er ein mächtiges Werkzeug, das Schüler:innen hilft, gelassener und aufnahmefähiger zu werden. Nachhilfeunterricht kann dadurch nicht nur effektiver, sondern auch menschlicher und freudvoller werden.

Mehr noch: Die Förderung vagaler Aktivität ist eine Investition in Resilienz, Selbstregulation und langfristige Gesundheit – Werte, die weit über den Unterricht hinausreichen.

Inspiration & Weiterführende Links:

- Was ist der Vagusnerv? – NetDoktor.de
- Podcast-Tipp: "Der Vagusnerv – dein innerer Therapeut"
- Yoga-Übungen zur Stärkung des parasympathischen Nervensystems
- Studie zu Summen und Stickstoffproduktion (Frontiers in Physiology, 2022)



Bildquelle: Wikimedia Commons
go Übungen zur Stärkung des parasympathischen Nervensystems
24.03.25 21:33